Don‘t shake it Baby!
 
Gestern habe ich mir die Fantoft Stabkirche in Bergen angesehen, visuell wie photographisch. Da Stabkirchen per definitionem Holzgebäude sind und diese aufgrund der gegebenen klimatischen Bedingungen meistens keine Fenster besitzen, sind das finstre „Löcher“, die normalerweise nicht zum fotografieren geeignet bzw. lohnenswert erscheinen, vom technischen Standpunkt aus gesehen.
Tatsächlich bieten gerade diese Herausforderungen einen gewissen Reiz, den es auszuloten gilt. Im Netz findet man viel Info unter der sogenannten „Available Light Photography“. Manche werden sich aber jetzt fragen:
„Ja, die Bilder verwackeln doch wenn die Verschlußzeiten zu lang werden!“
Njein. Ja, wenn man freihändig schießt, Nein, wenn man einige simple Regeln befolgt:
 
1. Wann immer, versuche ein Stativ dabei zu haben.  :-)  Bei SLR‘s anschließend Spiegelvorauslösung benutzen (ein Feature bei Spiegelreflexkameras, das gerne bei Kaufentscheidungen vernachlässigt oder vergessen wird)!
2. Wenn 1. nicht machbar, versuche „verfügbare Stützen“ zu finden, das kann auch mal ne Wand sein, bitte nicht immer nur in Horizontalen denken.  ;o)
3. Wenn Punkt 2 auch nicht machbar ist, versuche die Kamera bewußt in die „Riemen“ zu drücken, d. h. aus der Bauchhaltung zu fotografieren.
4. Wenn das nicht hilft versuche doch einmal die Kombination mit einer Atemtechnik: Luft anhalten, Schießen, Ausatmen (so kann man mit etwas Übung von den üblichen 1/60 auf 1/15 im „freihändigen“ Modus kommen). Andere haben mit dieser Technik Erfolg: Tief einatmen und beim langsamen Ausatmen den Auslöser betätigen.
5. Einen schnelleren Film einlegen oder wenn Digital, die ISO Zahlen nach „oben schrauben“.
 
Warum Punkt 5 nicht gleich an erste Stelle setzen? Das ist doch viel einfacher!
Da höhere ISO Zahlen bei Filmen gröberes Korn oder geballte Farbwolken hervorrufen und bei Digital extrem das Farbrauschen zustande kommt, ist es zwar eine Möglichkeit noch anständige Bilder zu bekommen, diese Methode sollte jedoch mit Hinsicht auf Bildqualität zu allerletzt eingesetzt werden.
 
Das Bild:
Das obige Bild stellt eine Seitentür der Fantoft Stavkirke dar. Für die Besucher wurden die Deckenpartien künstlich mit Spotlichtern ausgeleuchtet, diese Tür jedoch war im Lichtschatten der Beleuchtung und wurde vom Sonnenlicht durch die Eingangstür nur durch indirekte Reflexion von den Wänden diffus „beleuchtet“. Ich habe an einem der großen Stützpfosten gelehnt (daher der Name Stabkirche), ein 24mm Weitwinkelobjektiv wegen der besseren Tiefenschärfe benutzt, manuellen Fokus eingestellt, mit 3200 ISO bei f=6,3 mit 0,6s (ohne Blitz natürlich) belichtet. Ob der ImageStabiliser des Objektivs da noch viel mithelfen kann, weiß ich nicht. Laut Canon bringt der IS der neuesten Generation 3 Werte nach unten, was bedeutet, daß man theoretisch eine viertel bis eine achtel Sekunde noch freihändig fotografieren kann ohne, daß das Bild verwackelt (1/60 als Grenze der freihändigen Fotografie zugrunde gelegt). Hm, ich glaub nicht, daß der IS so gut ist, daß er 0,6s stabil hält.
Interessanterweise waren von den 15 Besuchern nach ca. 5 Minuten alle verschwunden, es wurde mit Blitz gefilmt (wie heißt das eigentlich jetzt mit Digitalequipment, gedigit? -> gedidscht?). Eigentlich kein toller Schnitt bei den anderen Besuchern hinsichtlich Effektivität des Besuches (über die Qualität möchte ich hier lieber erst gar nicht reden), 20 Minuten warten wegen der Öffnungszeiten und 5 Minuten Kirche anschauen. Ich habe 1,5 Stunden alleine in dieser kleinen Kirche zugebracht und in aller Seelenruhe Details betrachtet und fotografiert. Die beiden Aufsichtspersonen haben vielwissend mich angeschaut und ihren Mundwinkeln konnte ich die Gedankengänge ansehen: „Das wird doch eh nix“.
Hahah, von 94 Bildern waren nur 3 verwackelt. Ein sauberer Schnitt, wie ich meine. Übrigens ich hatte kein Stativ mit, das ist in Deutschland und ich vermisse es wirklich!
Tips & Tricks
Sonntag, 27. Mai 2007