Meine erste Filmentwicklung ...
 
Endlich halte ich sie in meinen (Vorder-)armen, die langersehnte, wunderschöne 50 Jahre junge Maid, klare Augen blinzeln mich an und sie sagt es mit beiden Augen: „Benütz‘ mich!“. Nein, ich bin nicht schief gewickelt, aber so begann meine Liason mit meiner Rolleiflex.
Aber sie will nun mal Film und das bedeutet, man hat die Qual der Wahl. Ich entschied mich für das Beste vom Besten, Fuji Velvia 50, denn ich wollte es einfach wissen. Im E-6 Entwicklungsprozeß gibt es kein Dazwischenfuschen der Entwicklungslabors, hier werden Unarten der Kamera oder des Fotographen klar und kompromißlos auf nahezu zeitloses Zelluloid gebannt. Doch es hat mich schon immer gejuckt, auch Schwarz-Weiß zu fotografieren und da bekommt man es zwangsläufig mit dem Selberentwickeln zu tun. Ich hatte mich erst ein wenig darum gedrückt, indem ich den Ilford XP2 Super benutzt und ihn in ein Farblabor für den normalen Farbbildprozeß (C-41) eingeschickt habe. Aber auch das ging vorbei als ich in Norwegen angekommen bin (zu teuer). Nun, nach insgesamt so einem halben Jahr Herumdrücken habe ich es gewagt. Ich habe das letzte Dosenentwicklungsset in ganz Bergen erstanden (auf der Suche danach konnte ich hinter einige Ladentische und in die Keller einiger Läden blicken... und habe von den Mitarbeitern oft unverständliche Blicke zurückbekommen - „Wie? Selber entwickeln?“ - gefolgt von verständnislosem Kopfschütteln und Zeigefinger - an Schläfe - drücken).
Dank umfangreicher Anleitungen im Netz war ich dann so genügend verunsichert, daß ich zur Tat  schreiten konnte. Ich übte mit einem alten Film das Einspulen bei Tageslicht. Es ging prima, auch 10-maliges Üben im Dunkeln war kein Problem. Also Chemikalien angesetzt und auf die Dunkelheit gewartet, da mein Badezimmer nicht lichtdicht ist (23:00 Uhr beginnt es in Bergen mitte Mai wirklich dunkel zu werden). Ich öffne den Film und fange an den Anfang des Films in die Spule zu fädeln. Fehlanzeige, die Spirale klemmt! Panik! Wieso, das ging doch vorher so gut ......................................... argh, ich habe die andere Spule erwischt und die ist noch nicht „eingefahren“. Das Ende vom Lied, ich bin noch nie 20 min im Dunkeln gestanden und habe versucht etwas zu bewegen und wenn es nur darum geht den Film in diese verd..... Spirale zu bekommen. Wie gesagt, ich hab es geschafft, anschließend Licht an, Chemikalien rein, Schütteln (Kippen) und irgendwann mal Wässern, andere Chemikalien rein und wieder Wässern und dann der Moment: Aaaaah, es ist wie Zaubern, ich habe Bilder auf dem Film und die sind knackscharf, wie ich es von meiner alten Lady in bunt gewohnt bin und ja, die haben im Internet recht, die Tonwerte von SW Filmen sind im Mittelformat Spitze und Korn ist weit und breit nicht zu sehen!
Ich werde es wieder tun, das Selberentwickeln meine ich, und diesmal die andere Spirale „einfahren“ und dann wird auch die dunkle Zeit im Prozeß kürzer.
Wenn ich das nächste mal in D bin, bestelle ich mir nen Wechselsack da kann ich wenigsten entspannt einen Kaffe trinken, wenn es wieder mal hakt.
 
PS: Ich liebe Schwarz-Weiß!  :-)
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Mittwoch, 23. Mai 2007