Viele meinen, daß sie alles erreichen können, wenn sie ihren Superzoom und eventuell auch noch die Digitalversion als Joker aus dem Ärmel ziehen. Das ist schnell und bequem keine Frage, nur machen wir damit gute oder bessere Bilder? Diese Frage läßt sich nicht salopp mit JA oder NEIN beantworten, es hat vieles mit dem eigenen Ästhetikempfinden und dem fotografischen Können als solches zu tun, aber auch mit der technischen Qualität der Kamera oder des Objektives. Beginnen wir mit letzterem Argument.
Die Hersteller sollten die Erfindung des digitalen Zooms in Verbindung mit digitalen Kameras wieder in die Schublade stecken. Dieser Zoom gaukelt etwas vor, was er physisch nicht darstellen kann. Es wird nämlich nur ein Ausschnitt des mit dem Sensor aufgezeichneten Bildes herausgenommen und digital vergrößert. Damit leidet aber auch schon die Qualität des Bildes, was bei preiswerten Kameras dazu führt, daß extrem gezoomte ( = digital gezoomte) Bilder kaum noch auf 9 x 13 cm Papier gedruckt werden können. 1:0 für NEIN.
Die besten Sensoren auf dem Markt stellen derzeitig 39 Megapixel für das Mittelformat dar, für die ambitionierten Fotographen unter uns, zu einem Preis eines Kleinwagens. Damit hat man zweifelsohne genügend Puffer, um zoomen zu können bis man nichts mehr sieht. Nur wie sieht der Puffer bei den üblichen 1 bis 16 Megapixel Sensoren im Kleinbild- und APS- Format aus? Das muß wohl jeder selbst entscheiden. JA oder Nein? Ich weiß es nicht.
Da das Ästhetikempfinden zweifelsohne individuell und subjektiv ist, kann ich nur empfehlen, das Zoom zur Seite zu legen, die alte Filmkamera oder ein Objektiv mit Festbrennweite vom Dachboden runter zu holen und mal zu versuchen bewußt nah an das Objekt der fotographischen Begierde heranzugehen. Das Resultat wird sein, daß man automatisch über andere Perspektiven beim Fotografieren nachdenkt und so kostenlos und unverbindlich sein fotografisches Können perfektioniert und damit qualitativ hochwertigere Bilder erzeugt. Dies wird sich dann auch auf das Fotografieren mit Zoomobjektiven positiv auswirken. Versucht es einfach mal!
Das obige Bild:
Eigentlich ist es für mich zum einen nur ein Testbild, weil ich wissen wollte wie das Unschärfeverhalten, das Bokeh, meiner neuen Linse ausgeprägt ist und zum anderen fand ich den inhaltlichen Kontrast sehr interessant. Im Vordergrund kämpft das Gras auf einem Stein den steten Kampf des Überlebens, da wenig Erde, Nährstoffe und Wasser vorhanden sind (der Stein wurde in der Sonne so aufgewärmt, daß die wenig vorhandene Erde staubtrocken war und ich wurde gleich mit gebacken, weil ich auf dem Bauch gelegen habe, um an das Foto zu kommen), während im Hintergrund ein Obstbaum voll im Saft steht, genügend Wasser und Nährstoffe hat und schon anfängt, Blüten zu treiben.
Dieses Bild kann man auch als Reflexion auf die Gesellschaft oder das Leben als solches beziehen, ganz wie man will. Das Bild hat den Titel „arm & reich“.